Leitl zu wirtschaftlichen Problemen: „Im Moment fehlt das Fair-Play“

Mahnt zur Bewältigung der wirtschaftlichen Krise mehr Anstand ein: Dr. Christoph Leitl. Foto: Wakolbinger
Klare Worte findet der Präsident der Initiative Wirtschaftsstandort Oberösterreich (IWS), Dr. Christoph Leitl, zu jenen wirtschaftlichen Problemen, die im Moment zahlreichen Betrieben große Sorgen bereiten: „Im Moment fehlt das Fair-Play, es wird viel zu viel spekuliert“, sagt der frühere Chef der Wirtschaftskammer Österreich.

Leitl macht kein Hehl daraus, dass er zwischen den Betrieben, aber auch seitens des Staates, die notwendige Ethik vermisst: „Mir geht der Anstand ab. Es kann nicht sein, dass sich einige die Taschen füllen und die anderen nicht wissen, wie sie ihre Betriebe über Wasser halten sollen“, sagt er. Dabei nimmt der Mühlviertler auch die Regierung in die Pflicht: „Einmalzahlungen sind ja schön und gut. Sie lösen aber das Problem nicht. Dazu bräuchte es andere Zugänge – und die sind im Moment nicht wirklich sichtbar“, meint der frühere oö. Wirtschafts-Landesrat.

Konkret versteht der IWS-Chef dabei nicht, dass die Türkis-Grüne Koalition mitten in einer Inflation von mehr als 10 Prozent diese durch einen Öko-Zuschlag auf Treibstoffe weiter anheizt. „Man kann so etwas schon machen – aber bitte nicht in einer so hochsensiblen Phase. Da vermisse ich einfach das entsprechende Gespür“, sagt Leitl. Genau dieses Gespür mahnt er auch bei jenen Konzernen ein, die von der Krise massiv profitieren. „Jetzt über Riesengewinne zu jubeln, die die Konsumenten mit exorbitanten Preisen bezahlen, ist nicht in Ordnung“, meint er. Und sieht darin durchaus auch gesellschaftspolitischen Sprengstoff. „Die Bevölkerung ist nicht dumm. Wenn wir nicht schleunigst zu einer sozialen Marktwirtschaft zurückkehren, die diesen Namen auch verdient, laufen wir Gefahr, dass sich der Frust Ventile sucht, die wir alle nicht wollen“, warnt Christoph Leitl.          -b.h.-