Birgit Wolfmair: Wenn bei der Frage nach dem Chef die Chefin antwortet...

Ist als Chefin eines Beschichtungsbetriebes in einer echten Männerdomäne unternehmerisch erfolgreich: Birgit Wolfmair aus Goldwörth. Foto: Frau in der Wirtschaft/Beate Christ
Wie es sich anfühlt, in einer echten Männerdomäne als Frau Karriere zu machen, weiß Birgit Wolfmair aus Goldwörth: Für die Chefin eines erfolgreichen Beschichtungsbetriebes war es jahrelang normal, bei Fragen nach dem Chef mit „ich bin die Chefin“ für klare Verhältnisse zu sorgen.

„Viele Anrufer konnten sich gar nicht vorstellen, dass in einem Beschichtungsbetrieb eine Frau das Sagen hat“, erinnert sich die Unternehmerin an ihre Anfänge im Betrieb. Dieser wurde 1986 von ihren Eltern gegründet – und die Tochter des Hauses war schon früh mittendrin statt nur dabei. „Es war für mich als Jugendliche völlig normal, in der Firma mitzuarbeiten“, erinnert sich Wolfmair. Nach der HAK schmiss sich der bekennende „Zahlenmensch“ auf ein BWL-Studium. Dort wurde sie mit der vielen Theorie aber nicht wirklich warm. „Das war eine zähe Angelegenheit“, sagt die Power-Frau. Es kam ihr daher gar nicht ungelegen, als sie im zarten Alter von 22 Jahren von ihrem Vater gefragt wurde, ob sie nicht die kaufmännische Leitung des heimischen Unternehmens übernehmen wolle. Jung-Birgit wollte – und nahm die neue Herausforderung mit Begeisterung an. „Ich hab die Verantwortung regelrecht an mich gerissen und nahezu alles auf neue Beine gestellt“, denkt sie an diese prägende Zeit zurück. In dieser wurde ihr auch klar, dass ein Leben als Unternehmerin für sie passen würde und so übernahm sie im Jahr 2005 die komplette Geschäftsführung der Wolfmair Beschichtungs GmbH.

Eine neue Dimension

Obwohl sie die Firma damals natürlich schon bestens kannte, stieß sie mit der Übernahme des Chefpostens noch einmal in eine neue Dimension vor. „Unsere Branche ist total männerlastig. Sich dort als Frau zu behaupten, war zumindest am Anfang eine echte Challenge“, sagt die Unternehmerin. Nach und nach gewöhnten sich die Kunden und Lieferanten an eine Chefin, die bei Bedarf auch resolut aufzutreten wusste. Dies umso mehr, da sie fest entschlossen war, zu beweisen, dass eine Frau das Beschichtungs-Business mindestens so gut wie ein Mann draufhat. Der Erfolg gab ihr Recht: Auszeichnungen wie der Österreichische Staatspreis oder der GUUTE Award bestätigten die unternehmerischen Qualitäten ebenso wie ein kontinuierliches Wachstum. Und auch Rückschläge vom Schlag der Hochwasserkatastrophe 2013, bei der der gesamte Betrieb regelrecht „absoff“, konnten Birgit Wolfmair nicht bremsen: Das von ihr geführte Unternehmen blieb erfolgreich, wuchs kontinuierlich und ist mit 16 Mitarbeitern inzwischen ein bedeutender Player in der Region.

„Auf das Herz hören“

Über den eigenen Betrieb hinaus engagiert sich die Goldwörtherin in der wirtschaftlichen Interessensvertretung u.a. bei „Frau in der Wirtschaft“, wo sie 2021 den Urfahraner Bezirksvorsitz übernahm. Dort bringt sie sich für Unternehmerkolleginnen ebenso ein wie für Neueinsteigerinnen. Letzteren rät sie, beim Weg in die Selbstständigkeit auf ihr Herz zu hören. „Wenn die entsprechende   Leidenschaft dabei ist und man für die Aufgabe brennt, sollte man es einfach tun“, meint Wolfmair. Die notwendige Erfahrung komme dann ohnehin von selbst: „Diese ist nicht immer angenehm, aber ein ganz wertvolles Kapital, das einem weiterbringt“, sagt die erfolgreiche Unternehmerin.    -b.h.-