Gastronomie: Das Personal wird zur Überlebensfrage

Freude bei Karl Wögerer über den JLIUS-Award, der ihm von Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner (re.) und WK-Obfrau Sabine Lindorfer überreicht wurde. Foto: OÖ. Wirtschaftsbund
Nach einem monatelangen Lockdown war die Gastronomie über den Sommer 2021 ein halbes Jahr lang geöffnet. Knapp vor Beginn der traditionellen Weihnachtsessen und Betriebsfeiern folgte der nächste Keulenschlag: Aufgrund von Corona gab es die nächste erzwungene Schließung. Der Sprecher der Wirte im Bezirk Urfahr, Karl Wögerer aus Feldkirchen, zieht im Gespräch mit dem Mühlviertel Magazin Bilanz und blickt in die Zukunft.

„Viele Restaurants waren im Sommer überdurchschnittlich gut besucht, im urbanen Raum etwas weniger“, resümiert Wögerer und denkt dabei auch an die Kollegen in der Nachtgastronomie: „Sie sind besonders hart getroffen, denn sie konnten seit Beginn der Pandemie nie richtig offenhalten.“ Die staatlichen Hilfen passen für die Gastronomie, betont Wögerer: „Die Reduzierung der Umsatzsteuer auf fünf Prozent war die beste Unterstützung, die der Regierung eingefallen ist!“ Allerdings: Die Preissteigerungen bei den Rohstoffen sind nicht an die Kunden weitergegeben worden. Deshalb warnt der Wirtesprecher: „Sollte der Umsatzsteuersatz wieder auf 20 Prozent vervierfacht werden, würde eine Halbe Bier nicht mehr vier Euro, sondern 4,60 Euro kosten. Ob das unsere Gäste akzeptieren?“ Der ermäßigte Steuersatz soll nach seiner Ansicht bis Ende 2022 – wie in Deutschland - bei fünf Prozent bleiben und dann ab 2023 auf maximal zehn Prozent verdoppelt werden.

So wichtig staatliche Förderungen und EU-Gelder derzeit sind, „alle Gastronomen wollen mit Hilfe der Gäste wirtschaftlich überleben“, ist er mit seinen Kollegen einig. „Unser wichtigstes Kapital sind Köche, Kellner und alle anderen Helfer.“ Je länger der Lockdown dauert, desto mehr sei zu befürchten, dass wieder Mitarbeiter in andere Branchen wechseln. „Bis zu 4.000 Leute könnten wir noch brauchen“, sagt Wögerer, der auch oö. Wirte-Sprecher- und Obmann-Stellvertreter der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer ist. „Die große Überlebensfrage der Gastronomie wird in Zukunft sein, ob ein Betrieb genug Personal zum Aufsperren hat.“ Bezahlung und Wochenenddienst seien nicht die Hauptgründe für den Mitarbeitermangel, vielmehr die Work Life Balance – das Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben. Dies gerade für Jugendliche zum Lebensmotto geworden. Darauf müsse in Zeiten geburtenschwacher Jahrgänge verstärkt geachtet werden.

Auszeichnung für Wögerers Wirthaus

Mit dem JULIUS-Award des Wirtschaftsbundes OÖ wurde „Wögerers Wirtshaus Tradition seit 1868“ ausgezeichnet.  „Die Freude über diese Anerkennung ist riesengroß“, sagte Inhaber Karl Wögerer bei der Überreichung. In diesem Gasthaus im Zentrum des Marktes Feldkirchen und am Donauradweg werden Tradition und Wirtshauskultur gelebt. Schließlich fungiert Karl Wögerer auch als Obmann der Kultiwirte Oberösterreichs – und das verpflichtet. Großartige Qualität und typische regionale Speisen ziehen sowohl die Einheimischen und auch viele Gäste an. Bei diesem Traditionswirtshaus handelt es sich um einen echten Familienbetrieb: Eltern, Kinder und Oma packen an. Karl Wögerer ist in seiner Heimatgemeinde Mitglied des Gemeinderates und auch Obmann des Tourismusvereines. -w.r.-