Vom Schulabbrecher zum Bäcker- und Konditormeister

Bäcker- und Konditormeister Christoph Filipp.
Die Leidenschaft für das Bäckerhandwerk ist Christoph Filipp in die Wiege gelegt worden. Schon mit seinem Großvater war er als kleiner Bub jeden Tag in der Backstube unterwegs. Damals ärgerte sich sein Vater manchmal über den stets von Kopf bis Fuß verstaubten Buben, heute steht er stolz hinter ihm. Denn mittlerweile führt Christoph Filipp den Traditionsbetrieb aus Walding in dritter Generation.

Es sei spannend, kreative und moderne Rezepturen zu entwerfen. Aber die wahre Kunst sei es, aus wenigen, einfachen und regionalen Zutaten, Wissen und vor allem viel Zeit und Geduld das beste Brot und Gebäck zu machen, sagt Christoph Filipp. „Und das ist das Faszinierende am Bäckerhandwerk.“ Wobei „Handwerk“ für den 39-jährigen Waldinger der entscheidende Punkt ist: Denn in der Mühlviertler Landbäckerei wird auch heute noch der Großteil der Tätigkeiten per Hand ausgeführt, die mittlerweile von Maschinen übernommen werden könnten. „Wir haben uns ganz bewusst für echtes Handwerk entschieden. Und das wird in unserem Betrieb ehrlich gelebt“, sagt Filipp, der schon als Kind Bäcker mit Leib und Seele war.

Ein Beruf für alle Sinne

Natürlich kommen in der Backstube auch Maschinen zum Einsatz, die die Arbeit der Bäckerinnen und Bäcker enorm erleichtern. Schwere Mehlsäcke müssen kaum mehr getragen werden. Aber wenn es um das Formen von Handsemmeln, das Wickeln von Salzstangerln oder das Flechten von Flesserln geht, setzt man auf echte Handwerkskunst. „Der Beruf des Bäckers ist ein sehr kreativer. Und einer, den man mit allen Sinnen ausübt“, sagt Christoph Filipp. Man könne die richtige Konsistenz des Teiges fühlen, die Aromen der Gewürze riechen und den richtigen Zeitpunkt sehen, wann man das Brot aus dem Ofen nehmen muss.

Die hohen handwerklichen Fähigkeiten und die Kreativität, die mit dem Beruf des Bäckers und Konditors verbunden sind, möchte Christoph Filipp auch seinen Kunden vermitteln. „Man muss den Leuten bewusst machen, was alles dahintersteckt, damit sie sich am Morgen ihr frisches Gebäck oder Brot holen können.“ Dem 39-Jährigen ist es ein großes Anliegen, dass die Wertigkeit des wichtigsten Grundnahrungsmittels und des Berufs, der mit dessen Herstellung verbunden ist, von den Leuten wieder bewusster wahrgenommen wird: „Wir sind keine Fabrik, in der hinten die Rohstoffe hinein- und vorne die fertigen Produkte herauskommen. Sondern wir erzeugen in echter und ehrlicher Handarbeit wertvollste Lebensmittel.“ Auch ist es ihm ein Anliegen für die Bäckerzunft eine angemessene Bühne zu schaffen und zu zeigen, dass es sich um einen nachhaltigen Beruf mit vielfältigen und interessanten Tätigkeiten handelt.

Und genau deshalb ist es ihm wichtig, dass die Menschen auch sehen, wie das Brot, das Gebäck und die Mehlspeisen und die süßen Verführungen aus der Konditorei in der Mühlviertler Landbäckerei geformt und gebacken werden. In der Schaubäckerei am neuen Standort in Bad Leonfelden, der 2022 in Betrieb geht, wird das ganz unkompliziert möglich sein. „Dort können sich alle Gäste selbst ein Bild machen und uns beim Formen und Backen über die Schulter schauen.“ Die Backstube wird perfekte Bedingungen und ein modernes Arbeitsumfeld für die Bäckerinnen, Bäcker und Konditorinnen bieten. Manche Dinge werden sich aber sicher nicht ändern: Die Zutaten werden weiterhin sorgfältig ausgewählt, die Teige bekommen viel Zeit, um zu reifen und in jeder Backware steckt das Handwerk mit drin. So wie schon zu Großvaters Zeiten.

Mühlviertel Magazin/Enzenhofer