ÖSV Ski-Ass Elisabeth Reisinger: „Die Reha war mühsamer als erhofft“

Foto: Christian Maislinger
Vor gut einem Jahr ist Skifahrerin Elisabeth Reisinger (24) auf ihrem Weg in die absolute Weltspitze jäh von einer schweren Knieverletzung gestoppt worden. Im Interview mit Mühlviertel Magazin-Redakteur Michael Enzenhofer sprach die Peilsteinerin vom harten Weg zurück und über ihr angestrebtes Renn-Comeback.

Mühlviertel Magazin: Die erste und vielleicht wichtigste Frage: Wie geht’s Ihnen und vor allem dem Knie?

Elisabeth Reisinger: Soweit sehr gut, danke. Mittlerweile bin ich zurück auf den Skiern, zumindest freifahren geht schon wieder recht gut. Dem Knie geht es eigentlich auch gut. Ich muss mich noch an die Belastung beim Skifahren gewöhnen und mich Schritt für Schritt zurückarbeiten. Im Alltag und beim Konditionstraining und bin ich seit zwei Monaten wieder völlig schmerzfrei.

Wie ist die Reha verlaufen?

Die Rehabilitation war ehrlich gesagt etwas mühsamer als erhofft. Es hat lange gedauert, bis alles soweit in Ordnung war, dass ich im Alltag schmerzfrei war. Eigentlich wollte ich im November wieder Skifahren gehen. Plötzlich hatte ich aber wieder Schmerzen, wodurch erneut Therapien notwendig waren. Seit Februar passt es aber zum Glück sehr gut.

Sie haben sich ja vor gut einem Jahr das vordere Kreuzband gerissen, den Meniskus verletzt und eine Scheinbeinkopfprellung erlitten. Wie hat der Weg zurück nach Ihrer schweren Knieverletzung ausgesehen?

Man verbringt sehr viel Zeit bei der Physiotherapie und bei Massagen. Normales Training ist natürlich am Anfang nicht möglich gewesen. Man macht viele ganz einfache Übungen, die eigentlich selbstverständlich sind. Gewisse Bewegungen muss man von Grund auf wieder lernen.

Ist vom Sturz noch etwas im Kopf hängen geblieben?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe alles gut verarbeitet und auch beim Skifahren keine Bedenken.

Haben Sie nach der Verletzung auch mal ans Aufhören gedacht?

Als ich noch auf der Piste gelegen bin, waren schon so Gedanken da. Aber schon am nächsten Tag hat es anders ausgesehen. Da habe ich bereits gewusst, dass ich weiter professionell Skifahren möchte. Ich war ja sehr gut in Form zum Zeitpunkt der Verletzung, diese Erfolge ruft man sich dann auch als Motivation in Erinnerung.

Hat so eine Verletzung auch ihre positiven Seiten?

Ich war so viel zuhause wie eigentlich überhaupt noch nie, was schon etwas Schönes ist. Man muss auch lernen, geduldiger zu werden, was gerade für eine Sportlerin gar nicht so einfach ist. Ehrlich gesagt war es sogar beinhart zu Beginn, aber vielleicht eine wichtige Erfahrung für die weitere Karriere und das Leben danach.

Gerade im ÖSV-Team, aber auch bei anderen Nationen, hat es in dieser Saison bereits etliche kapitale Stürze mit teils sehr schweren Verletzungen gegeben. Die Sicherheitsdebatte begleitet den Skisport ja permanent, aber in den vergangenen Wochen ist sie wieder richtig aufgeflammt. Muss man den Skisport sicherer machen?

Ich denke schon, dass man etwas ändern muss. Es gibt keine Saison, wo nicht mindestens eine oder mehrere Top-Läuferinnen ausfallen. Und auch im Nachwuchsbereich gibt es viele Verletzungen. Etliche Talente müssen deswegen früh ihre Träume von der Skikarriere begraben. Beim Material und bei der Kurssetzung kann man sicher etwas ändern. Konkrete Vorschläge überlasse ich aber den Experten, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen.

Wenn man nach einer schweren Verletzung zurück auf den Skiern ist, hat man da wieder einen anderen Zugang zum Skifahren? Oder überlagert der Gedanke an die Rückkehr auf die Weltcup-Pisten alles andere?

Es war schon anders. Ich war nervös, weil ich nicht gewusst habe, wie sich das Skifahren anfühlt nach der langen Pause. Nach ein, zwei Fahrten bekommt man aber wieder das Gefühl und man ist wieder drinnen im Modus.

In der Verletzungspause hast du ja sogar neue Sponsoren gewinnen können – noch dazu aus der Region. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Keramo und Wippro?

Keramo hat ja den Unternehmenssitz in meinem Heimatort Peilstein und Geschäftsführer Christoph Wohlmuth kenne ich schon sehr lange. Er ist auf mich zugekommen mit seiner Idee einer Zusammenarbeit und wir haben uns sehr schnell geeinigt. Keramo arbeitet auch viel mit der Firma Wippro zusammen, wodurch sich diese Kooperation ergeben hat. Es freut mich natürlich sehr, dass mich Betriebe aus der Region unterstützen.

Werbefotos, Videodrehs, vertreten sein auf den Social-Media-Kanälen – gehört das zum Berufsbild?

Ja, es geht eigentlich mittlerweile nicht mehr ohne.

Und wie geht es Ihnen dabei?

Es macht teilweise Spaß, teilweise ist es mehr eine Verpflichtung. Es gehört aber einfach dazu heutzutage. Und Video-Drehs oder Fotoshootings sind natürlich eine coole Abwechslung zum Trainingsalltag.

Als Profi-Sportlerin steht man naturgemäß in der Öffentlichkeit. Wirkt sich das auch auf das Privatleben aus? Werden Sie erkannt auf der Straße?

(lacht) Durch die derzeitige Maskenpflicht eher nicht. Man wird aber natürlich schon öfters angesprochen, es ist mir aber bis jetzt nicht unangenehm geworden.

Wie sieht der Plan in Richtung Renn-Comeback aus?

Ich will mich schön langsam herantasten und mich dann wieder ans Stangentraining wagen. Im Frühjahr konnte ich noch einige Schneetage zu sammeln. Jetzt geht es dann auf die Polizeischule nach Graz. Und im Sommer will ich wieder in die normale Saisonvorbereitung einsteigen.

Ski-Ass Elisabeth Reisinger ist nach ihrer schweren Verletzung auf dem Weg zurück. Foto: Agence Zoom