LAbg. Josef Rathgeb im Interview: „Die Beziehungen wieder mit mehr Leben erfüllen“

LAbg. Josef Rathgeb - hier auf der Burgruine Waxenberg - blickt zuversichtlich in die Zeit nach Corona. Foto: Privat
Seine ganz persönliche Corona-Bilanz zieht der Urfahraner Landtagsabgeordnete DI Josef Rathgeb (VP) im Sommergespräch mit dem GUUTE Mühlviertel Magazin. Er plädiert dafür, die gesellschaftlichen Strukturen wieder mit mehr Leben zu erfüllen. Die Fragen stellte Bernhard Haudum.

Corona ist zwar noch nicht endgültig Geschichte, aber auf dem Weg zu einer beherrschbaren Krankheit. Welche Auswirkungen hatten die letzten beiden Jahre mit den ganzen Einschränkungen Ihrer Ansicht nach auf die Gesellschaft?

Rathgeb: „Corona und die damit verbundene Isolation hat tiefe Spuren hinterlassen. Das Beziehungsgeflecht, das wir gekannt haben, hat sich gelockert, Säulen wie das Ehrenamt sind brüchig geworden. Dadurch stehen wir vor der gesellschaftspolitischen Frage, wie es jetzt weitergehen soll.“

Welche Lösungsansätze sehen Sie dafür?

Rathgeb: „Die nun wieder möglichen Veranstaltungen, aber auch das Leben in den Orten zeigen, dass das Bedürfnis nach Zusammenhalt groß ist. Darauf kann man aufbauen. Letztlich liegt es aber an jedem Einzelnen, sich einzubringen und so seinen Beitrag zu jenem Miteinander zu leisten, wie wir es vor der Pandemie gekannt haben.“

Was kann die Politik dazu beitragen?

Rathgeb: „Wir können uns bemühen, an jenen Stellrädchen zu drehen, dies es für das angesprochene Miteinander braucht. Die Ausstattung der entsprechenden Aktivitäten mit den nötigen finanziellen Mitteln ist dabei ebenso eine wirksame Säule wie die Vernetzung in der Region. Letztere erweist sich dabei in gemeindeübergreifenden Kooperationen als äußerst wirksamer Hebel.“

Apropos: Mit den INKOBA-Gebieten arbeiten die Gemeinden in Sachen Betriebsansiedlung zusammen. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung in diesem Bereich?

Rathgeb: „Mit dem INKOBA Sterngartl in Bad Leonfelden zeigen wir aktuell, wie erfolgreich so eine Kooperation sein kann. Ein Großteil der Gründe im gemeinsamen Gewerbegebiet ist bereits verkauft, wir dürfen Spatenstiche ebenso feiern wie die Inbetriebnahme von Betrieben. Durch die gebündelten Strukturen sind Effizienz und Zukunftssicherheit sichergestellt. Die INKOBA-Gebiete verfügen über alle Zutaten, nachhaltige Impulsgeber für die Wirtschaft und den regionalen Arbeitsmarkt zu werden.“

Weil Sie den Arbeitsmarkt ansprechen: Durch die de facto Vollbeschäftigung im Bezirk Urfahr ist dieser mehr oder weniger ausgetrocknet. Wie sehen Sie das?

Rathgeb: „Der Fachkräftemangel ist tatsächlich ein Riesenthema. Hier sind wir gefordert, mit allen Beteiligten an einem Strang zu ziehen, um die benötigten Arbeitskräfte auch tatsächlich in der Region zu halten. Dort und da zeigen sich dabei bereits erste Erfolge – und diese stimmen mich zuversichtlich, dass hier zumindest mittelfristig gute Lösungen zu finden sind.“