Feldkirchen an der Donau: Als die Politik aus der Pfarre eine Gemeinde machte

BT.: Autor Willibald Mayrhofer präsentiert das Feldkirchen-Buch. Inzwischen in Pension, war er als Mitarbeiter des OÖ. Landesarchivs für viele Heimat- und Erbhof-Forscher ein wichtiger Ansprechpartner. Foto: Reisinger
2025 wird für die Marktgemeinde Feldkirchen ein Jubiläumsjahr: Dann feiert sie ihren 150-jährigen Bestand als „Großgemeinde“ in der heutigen Form, kann auf 50 Jahre Wappen und 40 Jahre Markterhebung zurückblicken. Das neueste Buch von Willibald Mayrhofer ist ein Streifzug durch die Geschichte.

Der Verfasser dieses Buches ist ein Feldkirchner, der 40 Jahre im OÖ. Landesarchiv gearbeitet hat. Vielen Besuchern und Hobby-Historikern n ist er als hilfsbereiter und freundlicher Leiter des Bereiches familien- und herrschaftsgeschichtliche Quellen sehr gut bekannt. Er hielt auch sehr viele Vorträge und verfasste Bücher, so auch über das „Entziffern“ in Kurrent geschriebener Quellen, wie eben Matriken, Übergabeverträge und andere Urkunden. 

In seinem Beitrag über die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte der Pfarre Feldkirchen hält der Autor fest, dass das Gebiet an der Donau einst sehr begehrt war, denn gleich 29 Herrschaften hatten dort Besitzungen und Untertanen, die für sie Abgaben und Dienste zu leisten hatten. Die beiden größten Herrschaften befanden sich in Landshaag und in Oberwallsee mit jeweils mehr als 100 Untertanen. Das Revolutionsjahr 1848 brachte die Befreiung von der Grundherrschaft. Ein Jahr später entstanden die politischen Ortsgemeinden mit dem Recht auf Selbstverwaltung. Auf dem Gebiet der Pfarre Feldkirchen waren es gleich sieben: (Bad) Mühllacken, Bergheim, Feldkirchen, Freudenstein, Lacken, Landshaag, Mühldorf. Diese bitterarmen Kleinstgemeinden waren meist nicht in der Lage, Steuermittel zu lukrieren, um die Verwaltung ordentlich zu führen. Schon 1868 beschloss der erst sieben Jahre vorher gegründete Landtag, solche Ortsgemeinden zu größeren Einheiten zusammenzulegen. So wurde mit Beschluss des Landtages vom 2. Dezember 1874 festgelegt, die sieben Kleinstgemeinden auf dem Gebiet der Pfarre Feldkirchen zur gleichnamigen und lebensfähigen „Großgemeinde“ zusammenschließen. Am 9. Dezember 1875 folgte deren Konstituierung. Die Namen der sieben ehemaligen Kleinstgemeinden leben in den heutigen Katastralgemeinden („Steuergemeinden“) weiter. Aus Lacken hat sich inzwischen eine eigene Pfarre gebildet. In einem eigenen Kapitel beschäftigt sich der Willibald Mayrhofer anhand von statistischem Material mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen der Kleinstgemeinden vor der Zusammenlegung.

Die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Burg Freudenstein, der Schlösser Bergheim, Mühldorf oder Pesenbach, Adelssitze, Freisitze und rittermäßigen Lehen, über bedeutende Adelsgeschlechter und ihre Sitze in Feldkirchen sowie deren Wappen, über das Armenhaus Mühldorf, über die Donau und ihre Schiffmühlen sowie über den Dorfbrand 1864 bilden den Hauptteil des leicht lesbaren Buches. Authentisch ist der Artikel von Bernhard Prokisch über die einst bedeutende Burg Oberwallsee, die heute zum überwiegenden Teil eine Ruine ist. Seine Tochter Katharina Prokisch beschäftigt sich mit den urgeschichtlichen Funden im Gemeindegebiet.

„Feldkirchen an der Donau: Streifzug durch die Geschichte“, 224 Seiten, ISBN 978-3-902801-40-1, PREIS. 24 Euro; erhältlich beim Postpartner in Feldkirchen, Hauptstraße 1,  und im OÖ. Landesarchiv, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!