Höhere Holzpreise kommen nur teilweise beim Waldbesitzer an

Schnittholz: Derzeit ein begehrtes, aber knappes Gut und damit teuer.
Es gibt Lieferengpässe und teilweise horrende Preissteigerungen beim Konstruktionsholz und bei anderen Holzprodukten: Der Holzmarkt ist – gelinde gesagt – stark in Bewegung. Trotzdem liegt der Preis für Sägerundholz noch immer unter dem Niveau von vor zehn Jahren.

Holz ist derzeit ein knapper Rohstoff. Nach Jahren des Überangebots durch die extremen Schadholzmengen, die Borkenkäfer, Schneedruck und Sturmereignisse verursacht haben, sind die meisten Lager mittlerweile leer. Die holzverarbeitende Industrie ist voll ausgelastet und kann die hohe Nachfrage kaum stillen. Doch nicht nur der Bauboom hierzulande ist dafür verantwortlich, sondern auch die großen Mengen an Holz, die in den Export gehen. Sägerundholz wird in großen Mengen nach China verschifft, Bauholz und andere verarbeitete Produkte in die USA geliefert. Die Kombination aus knappem Rohstoff und hoher Nachfrage sorgt derzeit für große Preissprünge.

Forstarbeit wieder wirtschaftlich möglich

Bei den Waldbesitzern macht sich diese Entwicklung nicht so stark bemerkbar. Während die Preise für verarbeitetes Holz teilweise durch die Decke gehen, gibt es beim Sägerundholz bei weitem keine so großen Preisanstiege. Derzeit liegt der Preis für einen Festmeter Sägerundholz der Klasse 2A bei ca. 93 Euro. Zum Vergleich: 2011 hat man dafür in unseren Breiten noch über 100 Euro dafür bezahlt bekommen, 2014 sogar bis zu 104 Euro.

Nach Jahren des Preisverfalls sei die Bewirtschaftung des Waldes jetzt zumindest wieder wirtschaftlich möglich, sagt Karl Dumphart, Forstverwalter der Agrargemeinschaft in Bad Leonfelden, die ca. 190 Hektar Wald bewirtschaftet. Denn in den vergangenen drei Jahren seien die Kosten für die Holzernte teilweise höher gewesen als die damit erzielten Erlöse. „Pro Festmeter Holz muss man etwa 25 Euro Erntekosten rechnen. Dazu kommen noch die Kosten für die Aufforstung, Waldpflege, Zäunung oder Wegerhaltung. Wenn man dann für einen Meter Käferholz nur mehr 40 Euro bekommt, zahlt man als Waldbesitzer drauf“, sagt der ausgebildete Forstwart. Viele Bauern hätten also nicht unbedingt notwendige Arbeiten im Wald auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Spätfolge der schlechten Holzpreise

Die derzeit herrschende Rohstoffknappheit sei damit auch eine Folge dieser Seuchenjahre, sagt Dumphart: „Der Holzpreis hat erst in den vergangenen Monaten wieder angezogen. Zur Haupternte-Zeit im Winter, wenn die bäuerlichen Waldbesitzer in den Forst gehen, war der Preis noch bedeutend niedriger.“ Also hätten viele Bauern weniger oder gar kein Holz eingeschlagen, weil es sich zum damaligen Zeitpunkt noch kaum gerechnet hätte. Und nachdem die in den vergangenen Jahren angelegten, großen Nasslager mittlerweile leer sind, kann die Holzindustrie jetzt auch nicht mehr auf Reserven zurückgreifen.

Die Kombination aus hoher Nachfrage am heimischen Markt, großen Mengen, die in den Export gehen, und dem geringeren Holzeinschlag in den Wintermonaten hat also zur derzeitigen Situation geführt. „Jetzt sieht man einmal ganz deutlich, wie viel an der Forstwirtschaft dranhängt“, sagt Karl Dumphart und meint damit die zehntausenden Arbeitsplätze in der holzverarbeitenden Industrie, und die generelle Rolle von Holz als bedeutendem Wirtschaftsfaktor.

Dumphart geht davon aus, dass der Preis für Sägerundholz in den nächsten Monaten noch etwas steigen wird. Große Forstbetriebe würden jetzt schon die Bewirtschaftung intensivieren, im Herbst und Winter würden auch die Bauern wieder mehr Holz schlagen. In der Folge könnte sich die angespannte Lage auf dem Holzmarkt langsam wieder normalisieren. In den nächsten Monaten wird Holz aber ein knappes – und damit teures – Gut bleiben, vorausgesetzt es kommt zu keiner Borkenkäferplage oder einem großen Schadenereignis. Den Großteil des Gewinns werden aber nicht die Forstwirte, sondern andere einstreifen, meint Karl Dumphart: „Das ist wie bei den Lebensmitteln: Brot wird auch seit Jahren immer teurer. Die Bauern bekommen für das Getreide aber nicht mehr wie schon vor Jahrzehnten.“

Von den steigenden Holzpreisen bekommen die Waldbesitzer nur einen Teil ab – das große Geschäft machen andere.
Mühlviertel Magazin/Enzenhofer