Die stillen Opfer der Pandemie

Auch wenn Hilfsorganisationen wiederholt darauf hingewiesen haben, blieb eine dramatische Nebenwirkung der Corona-Pandemie bislang doch eher eine Randnotiz: die Einsamkeit der älteren und alten Menschen.

Kein Dashboard und keine Statistik geben darüber Auskunft, wieviele Senioren im letzten Jahr in ihrem Zuhause, aber auch in Heimen und Pflegeeinrichtungen den überstrengen Besuchsregeln zum Opfer fielen. Wahrscheinlich sind es aber deutlich mehr als jene, die Covid19 tatsächlich dahingerafft hat. Sie starben an gebrochenem Herzen und daran, dass ihnen die Kontakte zu ihren Liebsten so sehr fehlten, dass sie jeglichen Lebensmut verloren.

Dabei ist es zynisch, diesen Umstand mit dem früher oder später sowieso unausweichlichen Sterben abzutun: Eine liebevolle Begleitung in der letzten Lebensphase ist nämlich nicht nur ein Ausdruck von Wertschätzung, sondern auch das Spiegelbild einer humanen Gesellschaft. Dass diese ein einsames, stilles Sterben ihrer Älteren einfach zulässt, stimmt traurig und fordert mit Nachdruck dazu auf, die Zugänge der Pandemiebekämpfung deutlich intensiver auf ihre ethische Tauglichkeit zu überprüfen.

Von Bernhard Haudum